Felix Salten an Arthur Schnitzler, 14. 7. [1896]

|14. Juli
lieber Arthur, ich habe eigentlich garnichts zu sagen. Ich bin alle Tage von ½ 2 Uhr an zu Hause, lese und arbeite und lege mich um ½ 11 schlafen. Durch das schöne Buch von Victor Hehn wurde ich darauf gebracht, die »Wahlverwandtschaften« zu lesen, die ich nicht kannte. (Ich weiss schon, aber ich hab sie vor acht Jahren nicht lesen können) Das war jetzt sehr viel für mich und hat mir beim Arbeiten merkwürdig geholfen. Wenn ich nicht so ganz allein wäre, ohne einen einzigen Menschen, mit dem ich sprechen könnte, würde es mir recht gut gehen. Jedenfalls erhalten Sie, bis Sie wieder da sind, Einiges zu hören, und da ich im August mit Frl. M. manches Entscheidendes zu erleben hoffe, wird auch genug zu erzählen sein. Hören Sie was von Beer-Hofmann? ich möchte gerne wissen, wie es ihm geht. Schreiben |Sie mir bald, mir sind diese Postkarten sehr angenehm; und wenn Sie nach Kopenhagen kommen und dort still sitzen, schwingen Sie sich wol zu einem Brief auf.
Viele herzliche Grüße
Salten
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