zuer
st will ich Ihnen für Ihre
liebenswürdigen Worte
herzlich danken, u da
nn gleich
sagen, wer
Loris ist. Räth
selhaft, da
ss Sie es von
Goldmann nicht wi
ssen. Ich
selber bin es leider nicht. Er
stens wäre ich dann um 12 Jahre
jünger und zweitens hätte ich »
Gestern«
ge
schrieben, den
schön
sten Einakter in Ver
sen, der
seit
sehr,
sehr langer Zeit in
deut
scher Sprache er
schienen i
st. Von die
sem merk
|würdigen
Achtzehnjährigen wird noch
sehr viel ge
sprochen werden. We
nn Sie
schon die
Einleitungsverse zum
Anatol »zum kü
ssen« finden
«,
so will ich Sie
vor den unzüchtigen Gedanken warnen, die in Ihnen beim Genu
ss
seiner andern Sachen
auf
steigen könnten. In Wirklichkeit heißt der Herr
Hugo von Hofmannsthal, hat im
Juli maturiert
und
studiert
Jus an der
Wr.
Universität. Sie wi
ssen ja, verehrte
ster, wie wenig
|wörtlich das zu nehmen i
st. Wenn es ge
stattet ist,
seiner Biographie vorzugreifen,
so will ich Ihnen auch mittheilen, da
ss ich heute Abend nach der
Première von Musotte mit ihm
soupiren und ihm von Ihrem freundlichen Intere
sse erzählen will. Im
übrigen, fragen Sie doch
Goldmann nach ihm; – er hat ihn ja entdeckt
! –
– Von
Wiener Kun
st
soll ich Ihnen was berichten? –
Nun, die literari
sche Bewegung äußert
sich darin, daß im
Wiedner |Theater oder
Carltheater Couplets gegen den Naturalismus ge
sungen werden (»brutal–!«
»Skandal!«), da
ss es keine Verleger, keine neuen Stücke, dagegen
sehr viele
Kaffehäu
ser gibt, in denen alle Literaten, denen Vormittags nichts
eingefallen i
st, Nachmittag ihre Gedanken austau
schen. Sitzen zwei zu
sa
mmen,
so ne
nnt man
sie eine
Clique – und
sitzen gar drei zu
sa
mmen, –
so
sind
sie es
|wirklich. Man glaubt weder an
sich, noch an die andern – und
hat großentheils Recht. – Ihr
Feuilleton von dazumal fällt mir ein:
Kaffeehaus der neuen Richtung hieß es,
nicht? – wenn Sie mir gelegentlich das
selbe
schicken wollten (Sie haben es doch wohl)
freute es mich
sehr. Und noch nach einem andern Werk gelü
stet es mich wieder; das i
st
der
Tabarin. Nun aber will ich noch mit einer ganz be
sonderen Bitte heraus (die
|einleitenden
F↓P↓hra
sen
schenken Sie mir ja) ich möchte
sehr gern diejenigen Ihrer Stücke
le
sen, auf die Sie
selb
st was halten u die
nicht
aufgeführt worden sind. – Sie würden meinem literari
schen u per
sönlichen Intere
sse in
gleicher Wei
se durch Berück
sichtigg die
ses Er
suchens entgegenko
mmen.
–
– Ihre Schlu
sspointe zu den
Weihnachtseinkäufen
gefällt mir vorzüglich; nur glaub’ ich wär
sie aus der einen Scene
schwierig
herauszuentwickeln. Es wäre überhaupt
|was andres; in Ihrer
Pointe liegt ganz einfach ein
sehr reizendes Lu
st- oder vielleicht gar Schau
spiel
ver
steckt, welches zu
schreiben Sie höflich
st gebeten werden. – Neugierig bin ich, ob
Sie eins von den Dingen bühnenwirk
sam finden werden. –
Ich wurde neulich unterbrochen, u. komme erst heute zum
Abschluss meines Briefes. Lassen Sie mich Ihnen also nur noch
einmal sagen, wie sehr mich Ihre Freundlichkeit u Antheil|nahme ehrt und wie es mich freuen würde, bald wieder was von Ihnen zu hören. Sie
haben mir nun zwei Briefe über
mich geschrieben; ich darf nun wohl einen über Sie erwarten?
Mit herzlichen Grüßen Ihr sehr ergebner
Arthur Schnitzler