Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 26. 4. 1909

Telegramm-Adresse:
Edlacherhof, Edlach.
Interurban Telephon
Edlach Nr. 1.

Lieber Freund,

Beifolgendes Feuilleton von Rudolf Lothar wird Dich vielleicht ebenso amüsiren, wie es mich amüsirt hat.
Wir haben acht Tage der Ruhe in dem reizenden Edlach verbracht, das ich Dir nicht dringend genug empfehlen kann, wenn Du fern von allem mondianen Getriebe (wie es in den Hotels auf dem Gipfel des Semmering herrscht) in erfrischender Luft |Dich eine Zeit lang erholen willst. Heut kehren wir nach Wien zurück, von wo aus wir in einigen Tagen die Rückreise nach Berlin antreten.
Aufsuchen konnte ich Dich vor meiner Abreise nach Edlach nicht mehr, weil ich buchstäblich keine Stunde frei hatte.
Die Spannung zwischen unseren beiderseitigen Frauen wird sich hoffentlich beilegen lassen. Jedenfalls aber wird zwischen uns Beiden hoffentlich Alles so bleiben, wie bisher.
Ich wünsche Dir einen zweiten Sohn, der ein |ebenso prächtiger Bursch sein möge, wie der erste, – oder, wenn Du Dir eine Tochter wünschest, so bin ich auch mit einer Tochter einverstanden, – u. bin mit herzlichen Grüßen (auch von meiner Frau)
Dein
Paul Goldmann.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar