Felix Salten an Arthur Schnitzler, [17. 8. 1899]

|Lieber Freund, den Gedanken an eine Radtour scheinen Sie selbst aufgegeben zu haben, – nun, ich hätte auch nur sehr schwer abkommen können, und es ist mir ganz recht. Sind Sie dafür im September oder halben Oktober vielleicht für Ragusa zu haben? Ich möchte gerne auf acht Tage dahingehen. In der nächsten Woche komme ich vermutlich auf einen od. zwei Tage nach Ischl. Ich zeige Ihnen das jedenfalls noch genau an. Haben Sie heute das Feuilleton von Franz Servaes gelesen? »Decadence Romane« – - Die Neue freie Presse brauchte für den alternden Karl v. Thaler einen Ersatz und hat ihn in Servaes gefunden, nur dass mir Servaes mit seinem Orientirtsein noch eckel|hafter ist. Wo befindet sich Beer-Hofmann jetzt?
Otti ist in Ischl. Wahrscheinlich haben Sie sie schon gesehen. Sie hat noch kein Engagement, ist aber im Ganzen ruhiger. Ich bin die ganze Zeit schlecht aufgelegt, aber ich arbeite viel. »Die Grundlagen des Jahrhunderts« von Chamberlain ist ein sehr interessantes Buch. Ich gebe es Ihnen, wenn Sie zurückkommen. Ich schreibe augenblicklich darüber eine Anzahl von Entgegnungen, für »Die Welt«.
Senden Sie mir bald wieder eine Zeile. – Die Zeitungen bringe ich Ihnen selbst mit.
Herzlichst Ihr
Salten
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