Felix Salten an Arthur Schnitzler, [12. 10. 1903]

|Montag.
Lieber, ich wollte allerdings morgen lesen, bin aber so in Anspruch genommen, dass ichs vorderhand aufFreitag laßen muß, wovon ich H. heute verständigt habe. Ich wußte das schon gestern, sonst hätte ich Ihnen gestern geschrieben. Gerne kommen wir zu Ihnen, wenn Sie uns einen Tag vorschlagen. Aber dass man einander entgleitet, hat andere Ursachen. Denn wiewol ich sehr beschäftigt bin, fände ich doch Zeit genug, an dem Verkehr des alten Kreises theil zu nehmen. Dieser geht jedoch seit langem ohne mich vor sich. Was Sie heute zum ersten Mal bemerken, und als höchst ärgerlich bezeichnen, dass habe ich so oft und oft constatirt, dass ich schon aufgehört habe, es zu beobachten. So wenig ich das herbeigeführt habe, so wenig innere und äußere Eignung besitze ich, das heute noch zu ändern. Es fällt mir auch nicht im Mindesten ein, die Dinge zu einer absolut nutzlosen Discussion zu stellen, und bitte Sie ernstlich davon abzusehen. Nur hätte ich Ihre Bemerkung mit einer ähnlichen quittiren müßen, und das erscheint mir unmöglich, weil es meinerseits nicht aufrichtig wäre. So hab ich Ihnen lieber gleich gesagt, was ich seit langem denke, ohne damit das Geringste zu bezwecken. Reden hilft ja in solchen Fällen nichts, – es beseitigt nur Unklarheiten. Und ich hätte, wenn ich nicht dadurch die Situation selbst weiter im Unklaren gelaßen hätte, sicher noch weiter nichts gesagt.
|Was die Vorlesung betrifft, bitte ich Sie sehr, sich für Freitag frei zu halten, oder, wenn dieser Tag nicht geht, es mir gleich zu schreiben. H. möchte, dass wir dann punct 5. beginnen, weil er um ½ 11 fort muß.
Mit herzlichsten Grüßen von uns Beiden an Ihre Frau, den kl. Buben und Sie
Ihr
Salten
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