Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 22. 11. [1891]

|Dr. jur. Paul Goldmann
Correspondant de la »Gazette de Francfort«
Brüssel, 22. November.

Mein lieber Arthur!

Im Fluge: vielen, vielen, vielen Dank für den lieben Brief und die heutige Sendung. Ich schleppe das Büchlein den ganzen Tag mit mir herum, getraue mich aber nicht hineinzublicken, weil heut wieder einmal die Wien-Wunde offen ist und mir jede Beschäftigung mit dem, was mir dort lieb und theuer ist, wüthendes Herz- und Heimweh verursacht. Nächstens hoffentlich eine ausführliche Antwort. Das heutige nur als Thatbestandaufnahme meiner Freude und meines Dankes . . . .
Die Fäden! Die Fäden! In Paris hat die Frkf. Ztg. auch |einen neuen Correspondenten für den finanziellen Theil ernannt, der mein engerer College  und zugleich ein wenig mein Mitarbeiter werden soll. Weißt Du wer? Dein Freund Spitzer, von dem Du mir erst kürzlich schriebst, daß er Dich in Wien  besucht  etc. Wir werden eine Schnitzler-Gemeinde in Paris begründen. Und von nun an werden die zwei Pariser Correspondenten eines der größten deutschen Blätter  mit vereinten Kräften »an Dich glauben«, was gewiß ein ganzes Publicum aufwiegt. Kind, das Du bist, mit Deinen Zweifeln, die doch übrigens für den Eingeweihten eine so deutliche Bestätigung Deines Talentes bilden . . . .
|Dein nächstjähriger Reiseplan enthält doch Paris? Ich halte das übrigens für sselbstverständlich, daß ich gar nicht danach frage. Ich sehe nur eine Schwierigkeit: nämlich daß ich bis zu Deiner Ankunft nicht etwa bereits wieder entlassen bin.
Das gehört übrigens Alles bereits in den nächsten großen Brief. Gott grüße Dich, mein lieber Alter!
Dein
treuer
Paul.
Grüße an . . .  Du weißt schon . . .
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