Felix Salten an Arthur Schnitzler, [26. 1. 1895]

|Lieber Freund, ich habe die grösste Verzweiflung vorgefunden. Weinkrämpfe, Zerknirschung, kurz Alles.
Die Sache lief darauf hinaus, dass mir erklärt wurde, wenn nicht morgen um 12, so eine Leiche, ec. ec. Sehr viel Details von menschlicher Wichtigkeit: Bruder, Mutter ec.
Der Schluss war, dass sie sagte, bitte geh’ nach Hause,. Darauf ich, – es ist noch früh. – »Bitte, geh’ ich möchte mich niederlegen.« Darauf ich: Wann sehen wir uns wieder? Sie: Nie!!! Ich: Ist das Ernst? Sie »Nimmer! |denn ich kann nicht.« Darauf bin ich ohne Gruß fort.
Die Sache macht mir den Eindruck, dass zwar noch einiges zu überstehen sein wird, jedoch schließlich wird sich All das geben. Es braucht nur Vorsicht.
Morgen hoffe ich Sie zu sehen. Vielleicht geben Sie mir Nachricht, wann ich zu Ihnen kommen soll, oder kommen selbst |zu mir. Ich werde bis gegen 12h. zu Hause sein.
Jetzt gehe ich zur Humanitas, aus dringendem Bedürfnis nach einer Stunde unter Leuten, die keine tragischen Gebärden haben.
Herzlich Ihr
Salten
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