Leo Van-Jung, Fanny Mütter, Richard Beer-Hofmann an Arthur und Olga Schnitzler, [24. 9.?] 1905



*Herrn Dr Arthur Schnitzler

Lieber Arthur, erst heute schreib ich Ihnen, aber nicht weil ich an Sie vergessen habe, sondern weil ich mich freue Sie bald wieder zu sehen und von den »Sünderinnen« zu hören. Einige Zeitungsnotizen haben mich sehr neugierig gemacht. Handkuss der lieben Frau Olga und die allerherzlichsten Grüsse Ihnen von Ihrem
Leo.
[hs. Franziska Mütter:] Lieber Dr. und liebſte Olga! Ich bleibe noch einige Tage hier und werde den lieben Brief Olga’s morgen beantworten. Für heute tauſend Grüße von Ihrer alten
Fanny Mütter
[hs. Richard Beer-Hofmann:] Lieber Arthur! Wir sind – hoffe ich Mittwoch oder Donnerstag in Rodaun
Freuen uns Sie bald zu sehen.
Ihr
Richard
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar

    Sünderinnen] Es dürfte sich um eine gemeinsame Bezeichnung für die zwei Stücke Zwischenspiel und Der Ruf des Lebens handeln, die, noch ohne finalen Titel weitgehend fertig gestellt waren, was in mehreren Zeitungen gemeldet worden war. Van-Jung kannte sie beide, da Schnitzler sie ihm am 12. 8. 1905 vorgelesen hatte.

    Mittwoch oder Donnerstag] Der Poststempel dieser Karte ist nur bei der Jahresangabe verlässlich zu entziffern. Eine grobe Einordnung lässt sich mit Beer-Hofmanns Zusammentstellung seiner Lebensdaten treffen: »Ende August, über Bozen an den Lido (Hôtel des Bains), Bella Vengerova, Arthur Kaufmann, Leo Van Jung kommen nach.« Die Tagesangabe des Poststempels ist zweistellig und beginnt mit einer »2«, so dass die Karte Ende August oder Ende September anzusiedeln ist. Letzteres wiederum ist wahrscheinlicher, da es bis zum [7. 10. 1905] zu keinem gemeinsamen Treffen kam.