Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 28. 8. 1926



*Herrn Dr. Arthur Schnitzler

*Kopenhagen Goethes Geburtstag 1926
Verehrter Freund Seit April 1925 hab ich Sie nicht gesehen, und es ist mir, als sah ich Sie gestern. So lebhaft stehen Sie mir vor Augen. Seitdem haben Sie eine weite Reise nach den canarischen Inseln gemacht, sich freundlich meiner erinnert, mir die sonderbar tiefsinnige Traumnovelle zugesandt, vermutlich noch anderes hervorgebracht. Ich bitte nur, mich nicht zu vergessen; ich war in Karlsbad, Prag, Schandau, meiner Gesundheit halber, und bin nicht krank, arbeite weiter mit Forschungen über Petrus u. Paulus. Ueber Petrus erschien vor langer Zeit ein Büchlein, aber da mein Verleger in Berlin bankerot ist, wurde es nicht deutsch publicirt.
Es war schön, daß ich in Wien Ihr Gast sein durfte. Ihre junge Tochter war *war Schmuck des Hauses.
Ich bitte, gelegentlich Beer-Hofmann und seine Gemahlin sehr herzlich von mir zu grüssen.
Ich weiss nicht, ob Sie Zeit zum Lesen haben. Sonst würde ich Ihnen Kyra Kyralina von dem Rumänen Panit Istrati empfehlen. Er schreibt französisch und hat grosse Frische.
Ihr getreuer Freund
Georg B
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