Hugo Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, [19. 3. 1921]



*Stallburggaſſe 2, Frei Samstg

mein lieber Arthur

es iſt mir traurig, Sie immer nur wie einen Schatten von weitem zu ſehen oder ein paar Worte miteinander zu wechſeln.Ich möchte ſo gerne wieder einmal eine Stunde im Freien mit Ihnen herumgehen – geht es nicht?Ich denke oft und herzlich an Sie, Sie ſind doch ein Stück von meinem Leben. Ob man die Lebensdinge im Geſpräch berührt oder nicht – ſie sind einmal *da, und müſſen irgendwie getragen werden, und von den Freunden mitgetragen werden.
Verſtehen freilich – ganz verſtehen tut man ja auch die Zuſaenhänge des eigenen Lebens nicht, viel weniger die der Andern.
Könnten Sie nicht ſich entſchließen in der Oſterwoche doch einmal für das Mittageſſen und ein paar Nachmittagsſtunden nach Rodaun zu koen? *Sie führen etwa vormittag übern Gürtel herüber bis Mauer (keine 1¼ Stunden) gingen übern Maurer Berg zu uns – und beträten nach ſo viel Jahren das Haus wieder in dem ich nun 20 Jahre wohne und um das ich – um es weiter behalten zu können – jetzt einen harten Kampf kämpfe, weil ja eben eine *allgemeine Schwierigkeit und misère auch jedes einzelne Individuum in irgend einem Punkt ergreift, wie ein um ſich freſſendes Feuer.
Koen Sie doch Mittwoch herüber, ja?
Wenn das nicht geht, ſo koen Sie doch Freitag vormittag, etwa um 10 oder ½ 11 zu mir in die Stallburggaſſe. – Aber das iſt weniger! – Bitte ſchicken Sie ein telegram, ob Sie koen.
Ihr
Hugo.
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    Freitag] Siehe A. S.: Tagebuch, 25. 3. 1921