Robert Adam an Arthur Schnitzler, 25. 10. 1918



*Wien, 25. Oktober 1918

Hochverehrter Herr Doktor!

Ich kann Ihnen vereinbarungsgemäß mitteilen, daß ich die »Yppl«-Komödie nunmehr abgeſchloſſen und heute zum Abſchreiben gegeben habe; im Laufe der nächſten Woche erhalte ich von der Schreibmaſchindame, die mit den vielen Dialektworten nicht einverſtanden und nahe daran war, ihretwegen das ohnehin horrende Honorar noch zu ſteigern, die Abſchriften ausgefolgt. An der Komödie habe ich bei der Überarbeitung nicht ſehr viel geändert; immerhin glaube ich durch Einfügungen den Charakter der Steffi vertieft und auch vom Dr Greil – der allerdings nie und nimmer ein intereſſanter Menſch werden wird – ein klareres *Bild gegeben zu haben; dieſe Zuſätze betreffen faſt ausſchließlich den 3. Akt (Straße). Das geiſtreiche Dilettantenſtück habe ich, ſoweit es anging, gekürzt. Ueber den 4. Akt müßten allerdings die Schauſpieler, deren Aufgabe, Dilettantenſchauſpieler zu imitieren, ſchließlich keine undankbare iſt, hinweghelfen.
Ich möchte nun anfragen, hochverehrter Herr Doktor, wie ich es mit der Verwertung meines Produkts am Beſten anfinge. Daß mir ſehr viel daran liegt, diesmal anzukommen, brauche ich nicht erſt zu ſchreiben; dazu kommt nun aber doch noch der Umſtand, daß es mir nun auch aus materiellen Gründen äußerſt erwünſcht wäre, mein Stück irgendwo akzeptiert zu wiſſen. Da es ganz unpolitiſch und nicht einmal gar ſo unmoraliſch iſt, wird ihm die Neugeſtaltung Öſterreichs, hoff’ ich, nicht hinderlich in den Weg treten.
Ich habe auch daran gedacht, ob es nicht vielleicht anginge, das *Stück vor allem einem Schauſpieler zu geben, der eine der dankbarſten Rollen zu ſpielen hätte, etwa den Präſidenten? Sie werden mir jedenfalls den beſten Rat geben.
Verzeihen Sie, daß ich Sie mit ſo nichtigen Angelegenheiten, wie es das Geſchick meines Stücks iſt, das fürwahr keine »große« Komödie darſtellt, zu einer Zeit beläſtige, die von Tag zu Tag größer und größer und, ſo fürchte ich, furchtbarer wird. Es kommt mir vor, als ob man ſich jetzt mütterlich und mühſam mit der Anfertigung von Kinderkleidchen abgebe und möglicherweiſe nach deren Fertigſtellung zu Tage kommen werde, daß die Kinder inzwiſchen ſo gewachſen seien, den Kleidchen entwachſen ſeien. All dieſe neuen Staaten, die ſich konſtituieren, ſind doch eigentlich nur Form, und der Streit um Abgrenzungen und dergleichen ein Streit um Formen; welcher Inhalt dieſe Form füllen wird, davon iſt überhaupt noch nicht die Rede. Aber *die ſoziale Frage hat immer eine geſunde Lunge gehabt und wird ſchon demnächſt all die nationalen Schlagworte überbrüllen. –
Ich hoffe, daß Sie von der † † † Grippe verſchont geblieben ſind und bleiben; mir und den Meinen iſt dies bisher gelungen.
Mit beſtem Gruß Ihr
ergebener
DrRAdam
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    Dilettantenstück] kein eigenes Stück, sondern der vierte Akt von Yppl