Arthur Schnitzler an Robert Adam, 11. 7. 1915



*Dr. Arthur Schnitzler
*Herrn Dr. Robert Adam Pollak,
Bezirksrichter in Zistersdorf
N. Oe. –

*Dr. Arthur Schnitzler 11/7 1915
Verehrter Herr Doctor, erst gestern Abend bin ich dazu gekoen Ihre Komoedie zu lesen – in einem Zug, da sie mich amusiert hat; technisch ist sie auch nicht übel – aber im ganzen ist es dann eine etwas grobe und in ihrer Accentuiertheit unwahrscheinliche und recht willkürlich wirkende Sache, mit der nicht übermäßig viel dichterische Ehren aufzuheben sind. Ierhin ist sie spielbar und ich denke, Residenzbühne oder Neue Bühne würden sich gegen den Versuch nicht wehren. Daß Sie jede einzelne Figur persönlich kennen, *will ich gerne glauben – und jede einzelne wirkte am Ende, in irgend ein andres Stück gestellt, lebendig wirken; – so auf einen Fleck zusaengebracht, in theatralische Beziehungen aufzueinander, zweifelt man gelegentlich auch an ihrer Lebenswahrheit. De nichts ist rachsüchtiger als die Kunst – bis zur Ungerechtigkeit! –
Seien Sie herzlich gegrüßt von Ihrem Sie sehr hochschätzenden
Arthur Schnitzler
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