Hermann Bahr an Arthur Schnitzler, 23. 4. 1913



*23. 4. 13

Lieber Arthur,

herzlichen Dank! Ich bin ſehr froh, den armen Peter bald wieder »draußen« zu wiſſen.
Und nun noch was. Ich ſchrieb Dir im Dezember, daß ich keine Luſt habe, Geld für ihn herzugeben. Ich glaube nemlich beſtimmt zu wiſſen, daß er es nicht braucht und daß ich es alſo beſſer verwenden kann. Sollteſt Du aber einmal den Eindruck haben, daß es notwendig iſt, ſo bitte ſchreib mir das, da geb ich natürlich gleich, was ich entbehren kann. Aber bitte *dies ganz unter uns.
Ich erfuhr jetzt erſt, daß Du einem »Comité« für meinen 50. Geburtstag uſw. Ich danke Dir dafür ſehr.
Zur »Götterdämmerung« war ich neulich in Wien, komme wol zum »Triſtan« wieder, aber immer knapp zur Vorſtellung und nachher in aller Früh wieder weg, denn ich bin mitten in einem neuen Stück. Aber, wohin Du ſommers auch gehſt, Du kommſt doch über Salzburg und wir freuen uns Beide ſehr, ſehr, ſehr darauf, Euch dann hier zu haben und einmal ausgiebig mit Euch zuſammen zu ſein.
Immer derſelbe
Hermann
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    schrieb Dir im Dezember] Hermann Bahr an Arthur Schnitzler, 7. 12. 1912

    »Comité« für meinen 50. Geburtstag] vgl. Briefwechsel Bahr/Schnitzler 483.

    »Götterdämmerung« war ich neulich in Wien, komme wol zum »Tristan« wieder] Die Hofoper gab Wagners Götterdämmerung am 13. 4. 1913, Tristan und Isolde am 5. 5. 1913, beide Male mit Anna Bahr-Mildenburg.

    Stück] Das Phantom (Komödie in drei Akten. Mit Dekorationsskizzen von Koloman Moser. Berlin: S. Fischer 1913).

    Immer derselbe] Hier lässt sich eine Verbindung zu einem zentralen Motto Bahrs herstellen, das er 1911 so begründete: »In ein Stammbuch schrieb einer stolz: Immer derselbe! Ich darunter keck: Niemals derselbe! Spät erst ging mir auf, das Rechte wäre wohl Beides: Niemals derselbe und eben darin doch immer derselbe zu sein!« ([Stammbuch-Spruch] In: Musen-Almanach 1911. Berlin: Verein Berliner Presse 1910, S. 39) Im Jahr darauf knüpfte er im Text Selbstinventur (Die neue Rundschau, Jg. 23, H. 9, S. 1287–1303) längere Überlegungen daran an.