Max Burckhard an Arthur Schnitzler, 14. 7. 1908



*Dr. Max Burckhard Wien, IX. Porzellangasse 48  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 
St. Gilgen 14. 7. 08

Sehr verehrter lieber Herr Doctor!

Ich beglückwünſche Sie ſehr für zu Ihrem Aufenthalt, den mir Ihre liebe Karte meldet. Ich war einmal wenige Tage auf der Seiſeralm – allerdings zur Schnittzeit. Es war dort nicht nur wunderſchön, ſondern auch anſonſt außerordentlich erheiternd; es war damals das einzigemal, daſs ich Gelegenheit hatte, das ſüdtiroliſche Volksleben (von ſeiner angenehmſten Seite) kennen zu lernen. Freilich hatte ich mich mit großen Vorräthen an feſtem und flüßigem Proviant eingeführt und hatte ſchon vorher die Bekanntſchaft einiger Theilnehmerinnen auf demSchlern gemacht.
*Nun, und ſind Sie uns St. Gilgnern ganz untreu geworden? Da es anfängt, Momente zu geben, in denen ich mir einbilden kann, daſs ich mich noch einmal zuſammenklaube, bilde ich mir ein, daſs ich davon etwas davon haben würde, wenn Sie mit Ihrer verehrten Frau Gemahlin hier wieder einmal in die heimiſchen Berge zukehren. Wie herrliche Spaziergänge es hier gibt, das habe ich eigentlich erſt entdeckt, ſeit die Facultät sich ablehnend gegen größere Spaziergänge ausgeſprochen hat.
*In herzlicher Verehrung mit Handkuſs an Ihre liebe Frau und herzlichſtem Gruß
Ihr getreu ergebener
DrBurckhard
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