Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, [14. 1. 1907]

mein lieber Arthur

es ist mir natürlich äußerst zuwider, gerade Ihnen auf einen directen Wunsch »nein« zu sagen, aber das geht absolut nicht
1.) (und das dürfte schon hinreichen) bin ich 2te Hälfte Februar fort
2.) habe ich mir präcis vorgenommen, wohl noch Vorträge zu halten nie mehr aber versammelten Schweinen meine schönen Werke vorzulesen
3 würde ein öffentliches Lesen (wenn auch zu wohlthätigem Zweck) die Demonstration die in meiner jetzigen kl. Veranstaltung liegt (Hinauswurf von Presse und Premièrenpack) geradezu auf den Kopf stellen.
Ihr
Hugo.
    Erwähnte Personen: Hugo von HofmannsthalArthur SchnitzlerJakob WassermannRichard Beer-HofmannFelix SaltenErwähnte Werke: Jakob Wassermann: Das Los der Juden (1904) – Richard Beer-Hofmann: Schlaflied für Mirjam (15. 11. 1898) – Felix Salten: Der Ernst des Lebens (1902) – Arthur Schnitzler: Lieutenant Gustl. Novelle (25. 12. 1900) – Hugo von Hofmannsthal: Der Dichter und diese Zeit (30. 11. 1906) — Erwähnte Orte: WienErwähnte Institutionen: Galerie Miethke

    zu wohlthätigem Zweck] Am 10. 2. 1907 lasen Jakob Wassermann seinen Aufsatz Das Los der Juden, Richard Beer-Hofmann Gedichte (darunter Schlaflied für Mirjam), Felix Salten seine Novelle Der Ernst des Lebens sowie Schnitzler Lieutenant Gustl vor.

    kl. Veranstaltung] Am 17. 1. 1907 hielt Hofmannsthal den Vortrag Der Dichter und diese Zeit im Kunstsalon Miethke vor geladenen, 10 Kronen zahlenden Gästen.