Hermann Bahr an Arthur Schnitzler, 11. 1. 1907

Wien XIII/7 den 11. 1. 07.

Lieber Arthur!

Ich war vierzehn Tage auf dem Semmering und bin nun seit Dienstag hier, für etwa zwölf Tage, mit dem Vorsatze:
1. Das Regiebuch von Hedda Gabler zu machen, deren Proben am 24. d. beginnen sollen.
2. Zu versuchen, ob mein neues Stück schon so weit ist, dass sich mir ungefähr ein Szenarium ergibt, welches dann im Sommer ausgearbeitet werden soll, und 3. einmal mit Dir, Richard und Salten zusammen zu sein, einmal mit Kainz, gelegentlich auch Fred und Handl zu sehen, sonst aber mich zu verstecken. Dies ist es was ich »incognito« nenne. Meine Absicht war, Dir vorzuschlagen, ob ich nicht nächste Woche einmal von Eilf bis Drei bei Dir sein und dort vielleicht auch gleich Salten und Richard treffen könnte. Dass Du nun aber Sonntag Vormittag zu mir kommen willst, ist mir sehr erwünscht, stört mich gar nicht, freut mich riesig (ich kann Dir nur nichts zu essen geben, weil ich keine Köchin habe) und wir können dann alles Mögliche besprechen.
Mit den herzlichsten Grüssen an Deine liebe Frau
Dein alter
[hs. Hermann Bahr:] Hermann
[hs. :] PS.
»Ringelspiel« und »Grotesken« hast Du hoffentlich richtig bekommen?
    Erwähnte Personen: Lisa ClarusHermann BahrArthur SchnitzlerHenrik IbsenRichard Beer-HofmannFelix SaltenMargarethe Kainz W. FredWilli HandlOlga SchnitzlerErwähnte Werke: Henrik Ibsen: Hedda Gabler (1891) – Hermann Bahr: Die gelbe Nachtigall (1907) – Hermann Bahr: Brief an Arthur Schnitzler (Mai 1922) – Hermann Bahr: Grotesken (1906) — Erwähnte Orte: WienOber Sankt VeitSemmering

    vierzehn Tage] Nachweisbar war Bahr am 2. und 4. 1. 1907 auf dem Semmering.

    Regiebuch von Hedda Gabler] in Bahrs Nachlass (Theatermuseum Wien, HS VM 3683 Ba), die Premiere von Ibsens Stück am 11. 3. 1907