Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 4. [9. 1906]



*Lueg 4ten

mein lieber Arthur

ich habe rechtes Verlangen, von Ihnen ein bischen ausführlicher zu hören.Von mir (und Gerty) kann ich, was Stimmung, Laune, Genießen des Sommers betrifft, nur Gutes berichten, von einer größeren Arbeit iſt freilich noch nichts zu ſagen, manchmal *ſcheint dergleichen recht nahe, dann iſt es wieder, als ob es untertauchte und ſich verbärge, aber nicht in Waſſer, ſondern in einer viel härteren undurchſichtigen Subſtanz, doch halte ich gar nicht für unmöglich, daſs der Herbſt, der mir oft günſtig war, auch diesmal plötzlich und ſpringquellhaft wieder etwas *hervortreibt – das Gefühl der Armut hatte ich jedesfalls nicht, vieles größere und kleinere mehr Gedankenhafte hat ſich geordnet, aufgeſchrieben hab ich auch gar nicht weniges und eine gewiſſe Möglichkeit, epiſches (kürzeres zunächſt) in mir auszubilden fühle ich auch, mehr als ein Vorgefühl *allerdings. Unſeres letzten Zuſaenſeins, des Spaziergangs bei drohenden Wolken und des ſchönen leichten und inhaltsvollen Redens denke ich auch – auf ein paar Tage Semmering (vielleicht mit Brahm) möchte ich jedenfalls rechnen.
Ich weiß nicht, (da es ſo wunderſchön iſt) ob ich nicht noch 10–14 Tage hier bleibe, die Kinder ſind ſchon in Rodaun.
Schreiben Sie.Von Herzen
Hugo.
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