Arthur Schnitzler an Richard Beer-Hofmann, 15. 11. 1904



*Ich wach!
Conrad Uhl’s Hotel Bristol
*Herrn Dr. Richard Beer-Hofmann
bei Wien

*15/11 904
Ich wach! Conrad Uhl’s Hotel Bristol
lieber Richard, telegram haben Sie wohl vom Theater aus bekommen: Freitag Samſtag Arrangirprobe. Meine Premiere Dinſtag; ich lieſs es Ihnen auch telegraphiren weil Sie am Ende, wenn es bei Freitag geblieben wäre, um einen Tag früher gekommen wären. –
Carlton Hotel ſoll, wie mir *Reinhardt, der dort wohnt, ſagt, nichts rechtes ſein; räth es Ihnen nicht.
Ich wohne Bristol, es befriedigt mich von allen Berliner Hotels doch am meiſten. Hoffentlich auf Wiederſehen.
Moissi, den ich geſtern zum erſten Mal im Kakadu proben ſah, eins der augenfälligſten Talente, das mir in der *letzten Zeit untergekoen iſtdſs. Als Henri ka er übrigens ſeine Fehler zu Tugenden ausnützen (was übrigens auch ein Talent iſt.). Für den Filipp dürfte ihm wohl das wie ſoll ich ſagen Höfiſche fehlen; aber er iſt ſehr lenkſam, und das abſolute ſeiner Begabung innerhalb *des hier (und anderswo) graſſirenden Mittelmaßes thutmüßte jedem Vernünftigen wohlthun. Seine Ausſprache iſt ja ſehr fremdartig – aber ſobald man ſie gewöhnt, wirkt ſie (auf mich wenigſtens) beinah als ein Reiz mehr. Natürlich iſt es denkbar, daſs ihn das Publikum anfangs auslacht. Mit dieſem Troſt will ich ſchließen.
Ihr
A.
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