Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 20. 8. 1904



*Wien 20. 8. 904
lieber Hugo, mit der Salzk.gutreiſe ſteht es wie folgt: in dieſen Tagen beende ich die erſte flüchtige Niederſchrift eines neuen dreiaktigen Stücks; die Grünwald kot etwa 25., 26., und dann muſs ich es, um es überſichtlich vor mir zu haben, und weil das überhaupt zu den Etappen meiner Arbeitsweiſe gehört u mich ſehr fördert, dictiren. Nun ka ich, auch weil der Anfangstag der Grünwald sichnoch nicht feſtſteht (ich bin ohne Nachricht, resp Antwort von ihr), nicht *auf den Tag beſtimmen, wann ich fertig bin. Ich hoffe, es wird ſich fügen, daſs wir schon am 3. Wien verlaſſen können; wird aber Gerty auch warten, wenn der 4. oder gar der 5. September draus wird? Wir möchten natürlich auch ſehr gern mit ihr zuſammen fahren; ich ka nur heute mich zur Beſtiung des Tages nicht verpflichten. Immerhin werde ich am erſten Dictirtag ſchon wiſſen können, wa wir bereit ſind. Ich hoffe ja ſehr, daſs es der 3. ſein wird. Sie erſehen daraus *jedenfalls, daſs wir zu Iſchl entſchloſſen iſt, wo wir fürs erſte Quartier nehmen, Ausflüge machen (Olga kennt das Salzkaergut gar nicht), und ich ſehne mich auch ſehr nach ein paar ſchönen Radtouren mit Ihnen. Auch zu einer Fußpartie (Ruckſack!) wär ich zu haben. Nicht unmöglich iſt es, daſs ich da auch noch mit Olga weiterfahre, Tirol, Bozner Gegend, und falls das Wetter allzu herbſtlich wird, München. Wir ſehen uns ja jedenfalls ſchon am ersten *Iſchler Tag, aber ſagen Sie mir doch gleich, wa Sie wieder in Rodaun zurück ſein müſſen oder wollen. Wohnen wollen wir in der Kaiſerkrone. –
Sind Sie mit dem »geretteten« fertig? Mir geht es mit dem Arbeiten nicht übel und ginge mir gewiſs noch beſſer, we nicht mein Widerwillen gegen den phyſ. Akt des Schreibens immer beträchtlicher würde und ſich oft genug in leichten Schreibkrämpfen äußerte.
Danke ſehr betreffs V. S., mein Aerger hat ſich natürlich ſchon gelegt – natürlich würde es mich aber *ſehr freuen, wenn Ordnung in die ganze Angelegenheit gebracht werden könnte und ich von England, Irland u Schottland nicht länger misverſtanden verfolgt u geächtet würde. –
– Vehse iſt und bleibt ein koſtbares Buch. Zudem studier ich, des Überblickes halber, Geſchichte wie zur Matura. Ich wäre weiter als ich bin, we ich ein gebildeter Menſch wäre!
Was iſts mit Richard? Seine Karte mit Paula wie den Kindern an ××× hab ich bekommen. Von ſich ſchreibt er nichts. Grüßen Sie alle, die mir lieb ſind.
Herzlichſt Ihr
A.*
*Gerty wird wohl auch am liebſten mit dem Zehn Uhr Früh Zug fahren?
A.
Geſtern Abend waren wir mit Bahr, (Hietzing) dem’s recht gut, und was das weſentlichſte iſt, hoffnungsvoll zu gehen ſcheint.
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