Hermann Bahr an Arthur Schnitzler, 4. 4. [1903]



*4. 4.

Lieber Arthur!

Nächſtens erſcheint von mir bei Fiſcher ein Band »Rezenſionen«, Kritiken von 1901–1903. Mir wäre lieb, ihn Dir widmen zu dürfen. Macht Dir das aber keinen Spaß oder iſt es Dir aus irgend einem Grunde, den Du mir gar nicht zu nennen brauchſt, (vielleicht, weil man wieder Clique sagen wird), zuwider oder auch nur unbequem, kurz wenn Du irgend das Gefühl haſst: Lieber nicht, ſo werde ich weder beleidigt noch gekränkt noch verſchnupft noch irgend unangenehm berührt oder gegen Dich verändert ſein, ſo weit kennſt Du mich doch!*
Im Neuen Wiener Journal ſteht, daß Du geheiratet haſt. Vielleicht iſt es aber nicht wahr. Nach meinen Erfahrungen einer Ehe von acht Jahren kann man Dir in beiden Fällen herzlich gratulieren, was hiemit geſchieht.
Damit Du aber ſiehſt, wie man in dieſer Inſtitution herabkommt, wiſſe, daß ich Deinem Bernhardiner leider entſagen muß, vorläufig wenigſtens, da meine Frau gerade wieder die Laune hat, alle Hunde zu haßen.
Herzlichſt
Dein
Hermann
*Die Widmung soll lauten:
Meinem lieben Arthur Schnitzler
nach zwölf Jahren.
    Bildrechte © University Library, Cambridge

    geheiratet hast] Neues Wiener Journal, Jg. 11, Nr. 3389, 3. 4. 1903, S. 6: »Wie uns mitgethei[l]t wird, hat sich Dr. Arthur Schnitzler dieser Tage in aller Stille vermählt. Seine Gattin ist eine junge Dame, die noch vor Kurzem das Conservatorium besucht hat.« Am Folgetag stand auf S. 8: »Herr Dr. Arthur Schnitzler theilt uns mit, daß er noch immer unvermählt ist.«

    Bernhardiner] Schnitzler besaß für kurze Zeit, vermutlich ab dem 23. 3. 1902, einen Bernhardiner namens »Bern«. Im Oktober wurde er in dem im gleichen Monat eröffneten Tierschutzhaus des Wiener Tierschutz-Vereins behandelt; Mitte Dezember erneut. Ab Januar 1903 versucht er ihn zu vermitteln, da wohnt er aber bereits nicht mehr bei ihnen (siehe Arthur Schnitzler an Richard Beer-Hofmann, 14. 1. 1903). In diesem Jahr finden sich noch drei Erwähnungen im Tagebuch (23. 5. 1903, 18. 6. 1903 und 6. 8. 1903). Vgl. Briefe II,118.