Arthur Schnitzler an Richard Beer-Hofmann, 14. 1. 1903



*Hr Dr Richard Beer-Hofmann

*Salzburg 14. 1. 903.
Oesterr. Hof. –
lieber Richard, bei dem Badebeſitzer Schaller in Rodaun, Liesingerstraſſe, wohnt ſeit einigen Tagen unſer Hund, Bern genannt. Sie wiſſen dſs wir in Wien nichts mit ihm anfangen können, und daſs wir deshalb jedenfalls auf ſeinen fernern Beſitz verzichten *müſſen. Wenn Sie ihn daher (ſtatt des Flirt zu tragen) von mir annehmen wollen, ſo erweiſen Sie mir damit nur einen Gefallen. Überlegen Sie ſichs, denn Eile hat die Sache in keiner Weiſe. Das Thier wohnt in Ihrer Nähe, warten Sie, bis ihm wieder *die Haare gewachſen ſind, und fragen Sie ſich, ob Sie ſich mit ihm befreunden können. – Wär ich auf dem Land wie Sie, ich behielte ihn gern; unter den gegebenen Umſtänden aber wäre mir der Gedanke, daſs Bern in Ihren Beſitz übergeht, der freundlichſte. –
*Ich bin mit Olga ſeit vorgeſtern hier; – und freue mich, inmitten des beruhigenden Schneefalls und der winterlichen Stille, daſs ich mich wenigſtens zu diesem Entschluſſe aufraffen konnte. Bis Ende der Woche hoffen wir zu bleiben.
Seien Sie herzlichſt gegrüßt
Ihr
A.
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    Bern] Schnitzler besaß den Bernhardiner nur für kurze Zeit, vermutlich ab dem 23. 3. 1902. Im Oktober wurde er in dem im gleichen Monat eröffneten Tierschutzhaus des Wiener Tierschutz-Vereins behandelt; Mitte Dezember erneut. Nach der Absage Beer-Hofmanns sagt im April auch Bahr ab. (Hermann Bahr an Arthur Schnitzler, 4. 4. [1903]) Im selben Jahr finden sich noch drei Erwähnungen im Tagebuch (23. 5. 1903, 18. 6. 1903 und 6. 8. 1903) Vgl. Briefe II,118.

    Flirt] der über zehn Jahre alte Hund Beer-Hofmanns