Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 7. 1. 1903



*7. 1. 903.
mein lieber Hugo, zum 2. Akt wäre vielleicht noch folgendes zu bemerken: wie wenn die Angſt der Verſchworenen nicht ganz ohne concrete Urſache geweſen wäre? Unter den harmloſen Spaziergängern könnte irgend ein nicht ganz harmloſer ſein; – einer von den Verſchworenen auf die Straße, greift ihn auf, thut ihn ab (wie, iſt Ihre Sache). Ich glaube, mit 5–6 Zeilen iſt das zu machen und Sie gewinnen für den Zuſchauer den Eindruck der wirklichen Gefahr, befreien ihn von *dem unbewußten, aber dem fernern Intereſſe nicht ganz unſchädlichen Aerger, mit den Verſchworenen aufgeſeſſen zu ſein. »Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht« gehört in gewiſſem Sinne zu den dramatiſchen Warnungen.
– Ferner: Sie ſteigern u vereinfachen den 3. Akt – wenn Sie das Motiv der leidenſchaftlichen Liebe Jaffiers für ſeine Frau mindeſtens für einige Augenblicke mit meinethalben übertriebener Heftigkeit *durchblitzen laſſen. Es iſt ja da, ich weiſs, – aber entſpricht es nicht ſogar dem Weſen Ihres Jaffiers beſonders, wenn er dieſe Empfindg, zu ſeiner eignen Rechtfertigung, in einer hiſtoriſch-komödiantenhaften Weiſe, ausdrückt, vorträgt, ja die Scene damit erfüllt?
– Es war geſtern wahrhaftig ſo viel von den paar techniſchen Zweifeln die Rede, die rege wurden, daſs man nicht dazugekoen iſt, das viele gute ja außerordentliche zu begrüßen, *das Sie uns gegeben haben. Aber ich bin heute mit der Erinnerung an etwas prangendes, flutendes, kraftvolles aufgewacht, als das ſich Ihr Stück im Nachgenuſs meldet; und finde insbeſonders, daſs Sie diesmal Ihrem Vers, ohne daſs er an Schönheit das geringſte verloren, das dramatiſchehinſtürmende verliehen haben wie noch nie zuvor. Ich glaube an die Zukunft dieſes Stücks auf dem Theater. Leben Sie wohl und freuen Sie ſich nur, daſs Sie ſowas geſchrieben haben. So gut wie man ſich ſelber freut, – freut ſich doch kein andrer – de das beſste an dieſer Freude ſind die Schaffenserinnerungen, die im geheimen mitzittern. Ihr
A.
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    Es war gestern wahrhaftig so viel von den paar technischen Zweifeln die Rede, die rege wurden, dass man nicht dazugekommen ist, das viele gute ja außerordentliche zu begrüßen,] mit Bleistift von unbekannter Hand unterstrichen

    freut, – freut sich doch kein andrer – denn das besste an dieser Freude sind die Schaffenserinnerungen, die im geheimen mitzittern. Ihr A.] über der Anrede auf dem Kopf