Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 29. 3. 1902



*29. 3. 902
mein lieber Hugo, da ich aus Ton u Inhalt Ihres Briefes entnehme, dſs Sie wirklich, we auch in einer von mir nicht geahnten, nicht für möglich gehaltnen Weiſe und wahrhaftig nicht ganz berechtigten Weiſe verletzt ſind, ſo liegt es mir vor *allem am Herzen Ihnen zu ſagen daſs mir das beinah weh, nicht nur leid thut. Hätte ich eine Ahnung gehabt, daſs Sie auf dieſe Frühſtückſache irgend einen beträchtlichen Werth legen, hätten Sie mir z. B. geſchrieben: es wäre mir angenehm – *es iſt mein ſpezieller Wunſch etc. ich hätte natürlich kein Abſagetelegramm an Sie geſchickt, obzwar das mit der Unbequemlichkeit in den nächſten Tagen wahrhaftig keine Ausrede war. Ich glaube auch dſs ich nicht abgeſagt hätte, we Sie mich zu *ſich geladen hätten, aber ſo ſpielte auch, halb unbewußt die Überlegung mit: »ein neues Haus, – ich, der gar nirgends hingeht«. Das letztere ſoll natürlich keine Entſchuldg ſein ſondern aus wird hier nur beigefügt, daſs es zur Vollſtändigkeit gehört. *Sie werden mir gewiſs erwidern, daſs wasich ſchon aus dem Umstand, dſs Sie mir überhaupt geſchrieben haben, entnehmen mußte, es handelte ſich um einen herzlichen Wunſch von Ihnen. Bei näherer Überlegung ſehe ich das ein, und es war Unrecht *von mir, ſo raſch, ohne Würdigung dieſes Umſtands, Ihnen abzutelegrafiren. Aber die Hoffnung einer Bekatſchaft für nächſtens, die ich am Schluſs ausgeſprochen habe, war keine Phraſe, und dſs Ihr Aerger über mich geſchwunden iſt, werden Sie bei unſerm nächſten *Zuſaenſein am beſten dadurch beweiſen, daſs Sie lieber auf den letzten als auf den erſten Satz meines Telegras zurückgreifen. Denken Sie freundlichſt noch einmal dran, daſs ich ſeit ſehr vielen Jahren kein mir fremdes Haus betreten habe und Sie *werden vielleicht ſpüren, daſs ich mit dem Wort von der Unbequemlichkeit mich ſelber mehr ins Unrecht geſetzt habe, als nothwendig war. Das weſentliche ist u bleibt: mir kam Ihr heutiger Brief ſo überraſchend wie möglich – de als ich Ihmein Telegramm absandte, *war ich mir abſolut nicht bewußt, daſs ich Ihnen damit einen Wunſch abſchlage, auf deſſen Erfüllung in den nächſten Tagen Sie Werth legen. Aus Ihrem heutigen Briefe ſehe ich, daſs ich Sie verletzt habe; reichen Sie mir die Hand und ſeien Sie mir nicht böſe.
Von Herzen Ihr
Arthur
*Es wäre denkbar, dſs ich an einem der Oſtertage bei Ihnen Vormittag vorbei radle, aber es iſt recht unſicher.
Mittwoch bin ich übrigens bei der »Kraft«probe, Sie wohl auch.
Das Geld an Frau v. P. habe ich geſandt.
A.
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