Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 17. 5. 1901



17 May 1901

Verehrter Freund

Anbei die 30 Gulden. Hier ist überzogen, durchaus nicht sehr warm und ich durch die Unpünktlichkeit meiner Mitmenschen völlig allein, mindestens zwei Tage, worüber ich wüthe, da ich diese zwei Tage vorzüglich in Wien zugebracht haben könnte, während ich mich hier über die verlorene Zeit ärgere.
Der Weg von Mattuglie nach Abbazia erinnert ein wenig an den von Taormina nach Giardini. Hier blühen die Rosen, nur nicht die meinen.
Haben Sie aufrichtigen und herzlichen Dank für alle mir erwiesenen Dienste. Ich, der ich selbst überlaufen werde, weiss *was es heisst, dass Jemand plötzlich kommt und uns die Zeit raubt.Nur unsere alte Freundschaft macht die Sache etwas leidlicher.
Nun erfuhr ich gar nicht, was Beer-Hofmann vorhat, und das interessirt mich doch lebhaft. Das ist die Folge jugendlich-seniler Schwatzhaftigkeit, dass die Anderen nicht zu Worte kommen.
Auf Wiedersehen in 14 Tagen.
Ihr
Georg Brandes
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