Hermann Bahr an Arthur Schnitzler, 23. 1. [1901]

Redaktion des Neuen Wiener Tagblatt

Wien, I., Rothenturmstrasse, Steyrerhof.

Telegramm-Adresse: Tagblatt, Steyrerhof, Wien. – Telephon Nr. 384. Staats-Telephon Nr. 36.

23/1

Lieber Arthur!

Ich habe die »Marionetten« gestern nachts sogleich gelesen und mich diebisch amüsiert. Sie sind einfach großartig. Bei einer Vorlesung oder in einem kleinen Theater bürge ich für einen sehr starken Erfolg. Im Volkstheater ist allerdings der Raum dafür sehr ekelhaft und noch ekelhafter ja unsere Premièrenjuden – aber man muß es halt wagen. Manuscript in ein paar Tagen.
Herzlichst
Dein
Hermann
    Erwähnte Personen: Hermann BahrArthur SchnitzlerErnst von WolzogenErwähnte Werke: Arthur Schnitzler: Zum großen Wurstel (23. 4. 1905) – Hermann Bahr: Der Meister (1903) — Erwähnte Orte: WienSteyrerhofÜberbrettlDeutsches VolkstheaterErwähnte Institutionen: Neues Wiener Tagblatt

    Marionetten] Erste Fassung von Zum großen Wurstel, die am 8. 3. 1901 von Wolzogens Überbrettl aufgeführt wurde. Erst in die Umarbeitung von 1905, die vor allem eine Erweiterung der illusionsbrechenden Figuren vornahm, wurde die Hauptfigur von Bahrs Der Meister eingearbeitet.

    Premièrenjuden] Vgl. Briefwechsel Bahr/Schnitzler 367