Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 1[6?] 1. 1901



*lieber,

hier iſt das Bild für die Schauſpielerinnen. Habe aus Neugierde den erſten Theil von »Frau Bertha Garlan« geleſen und finde es wunderſchön, ſo reif, reich und leicht, voll Ruhe und Fülle, in zarten Farben, voll Luft, ſehr ſchön. *Trotzdem bleibt der Schluſs des »blinden Geronimo« in der gegenwärtigen Form mangelhaft, enttäuſchend. Es muſs aber ſehr leicht zu ändern ſein. Aber ich irre mich nicht, denn ich habs wieder geſehengeleſen.
Ich hätte eine große Bitte: Daſs am Sonntag mit dem Leſen ſchon um ½ 5 begonnen *wird. Ich freue mich ſeit langem mit der Gerty, die nie ein Stück von Shakespeare geſehen hat, in eines zu gehen und ſo haben wir für Sonntag eine Loge für Heinrich IV. beſtellt.
Ich hoffe, es läſst ſich durchführen und werde *pünktlich ½ 5 bei Ihnen ſein.
Herzlich
Hugo.
    Bildrechte © University Library, Cambridge

    ersten Theil] Die Datierung dieses Korrespondenzstücks gelingt durch implizite Faktoren: Die Neue Deutsche Rundschau erschien üblicherweise zur Monatsmitte, was die früheste Möglichkeit der Lektüre von Frau Bertha Garlan ergibt. Nachdem der Brief vom 17. 1. 1901 bereits auf die stattgefundene Lektüre verweist, ist dieser davor anzusetzen.

    Sonntag] vgl. A. S.: Tagebuch, 20. 1. 1901