Julius Rodenberg an Arthur Schnitzler, 23. 6. 1900

Expedition u. Redaction: Herausgeber:
Gebrüder Paetel in Berlin Julius Rodenberg in Berlin
Berlin W., den 23. Juni 1900.

Hochgeehrter Herr Doctor!

Empfangen Sie meinen verbindlichſten Dank für Ihr freundliches Schreiben vom 21. d M. u. das darin enthaltene Anerbieten. Ich brauche Ihnen nicht zu ſagen, welchen Werth es für mich hat, Sie wißen es, wie ſehr ich mich freuen würde, endlich einmal eine Novelle von Ihnen bringen zu können u. wie froh ich jede Hoffnung dazu begrüßt habe. Zu meinem größten Bedauern aber, indem Sie jetzt eben wieder mir eine ſolche Hoffnung machen, deuten Sie ſelber an, daß Sie auch diesmal an ihrer Erfüllung zweifeln. Sie kennen ja die Haltung der »Rundschau« u. wenn Sie das von Ihnen behandelte Sujet für »bedenklich« halten, ſo kann ich kaum glauben, daß ich darin anderer Meinung ſein werde als Sie, u. wage deshalb gar nicht, Sie um Einſendung Ihrer Arbeit zu bitten. Denn eine Ablehnung würde peinlich für mich ſein u. einen Zeitverluſt für Sie bedeuten. Alſo, ſehr geehrter Herr Doctor, bewahren Sie mir Ihren freundlichen guten Willen, u. ſobald Sie eine Novelle ſchreiben, die nach Ihrem eigenen Dafürhalten mehr in den Rahmen der »Rundschau« paßt, ſenden Sie ſie und ſeien Sie überzeugt, daß ſie uns herzlich willkoen ſein wird.
In aufrichtiger Hochachtung
ergebenſt
Ihr
Dr Julius Rodenberg.