Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 8. 7. 1897



*Ischl 8. 7. 97
Mein lieber Hugo, geſtern iſt Ihr Brief aus der Fuſch gekoen. Ich freue mich ſehr, dſs es Ihnen gut geht und weiſs dſs manche von den Verſen die Sie »verſuchen«, Ihnen gelingen werden. Glauben Sie das nicht ſelbſt? Ich ſelbſt ſchreibe an einem Stück, deſſen zweiten Akt ich heute begoen habe. Es iſt nicht das, was ich mir vorgenoen habe, ſondern ein andres, das mir als Einfall bereits vor ein paar Monaten in Wien gekoen und mir plötzlich, in den zwei erſten Tagen meines Iſchler *Aufenthalts mit großer Lebendigkeit, Scene für Scene klar geworden iſt. Ich habe den erſten Akt mit viel Liebe geſchrieben, bin gegen den Schluſs mistrauiſch geworden und fand ihn beim Durchleſen vorgeſtern blaſs. Aus verschiedenen Gründen iſt die ganze Stiung wieder ins dunklere hineingerathen, aber die Hoffnung, dſs es wieder beſſer wird, darf beſtehn. Ich werde weiter arbeiten, wie man unter drohenden Wolken weiterfährt; (was doch eigentlich ein recht ſtupider Vergleich iſt.) ((Ich hätt ihn doch ausſtreichen können, ganz einfach?))
*Ich muſs vielleicht bald nach Wien, da ich in der Wohnungsfrage in der bekaten, noch mancherlei oder vielmehr alles zu ordnen habe. Das urſprünglich geplante Häuschen im Gebirg ist mir weggeſchnappt worden. Es iſt ſehr ärgerlich. Natürlich bleibt es trotzdem bei unſerm Salzburg, und ich freu mich ſehr darauf. Sagen Sie mir nur gleich das genaue Datum, da ich mit den Tagen haushalten muſs.
Morgen ſchicke ich Ihnen den 2. Band Mozart. – Richard arbeitet wirklich; er ſcheint im dritten Capitel zu ſein. *Wenigſtens hat er kaum zu was anderm Zeit und ist eine Radelraunzen wie ein kleines Kind.
Neulich bin ich nach Unterach zu Stri’s geradelt; ſonſt mach ich nur ganz kleine Spazierfahrten, und plaudre mit einer merkwürdig geſcheiten Frau ſehr viel, die Humor hat, und ich verſuche mich zu erinnern, ob ich ſchon je eine Frau mit Humor gekannt habe. –
Schreiben Sie mir bald.
Ich leſe noch immer Tolstoi u Brandes.
Herzlich der Ihre
Arthur.
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