Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 17. 10. [1895]



*Venedig 17. October
am Sonntag Früh hab ich Sie beſucht, aber nur 3 Frauen mit Beſen gefunden. Ich wollte Ihnen ſagen, daſs ich nach den Zeitungen und dem Reden der Leute wirklich glaube, daſs Sie jetzt dieſes unberechenbare und ſchwer zu definierende erworben haben, womit man Aufmerkſamkeit und Bewunderung erzwingen kann. Ich glaube, Sie dürfen ſich jetzt erlauben, für die Darſtellung *tiefer und kühner Dinge auf mehreren Beifall zu rechnen als bloß auf den von 3 oder 4 Freunden.
Richard hat mir die geſcheidte Kritik von Berger geſchickt und die Verſpottung von dem Anonymen. Iſt es der kleine Kraus? Es hat mich unterhalten, ich wäre froh, wenn ſolche Sachen viel öfter geſchrieben würden und auch Caricaturen von uns gezeichnet. *Das wird ſich auch immer ſteigern je mutiger und beſſer wir werden; ich denke, von der Generation von Philologen und Dilettanten, die vor uns war, wirds nicht viel Verhöhnungen geben.
Hier arbeit ich nicht, aber werds wohl nachher.
Adieu. Herzlich Ihr
Hugo.
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    Verspottung] Der Text geht nicht nur auf die Liebelei ein, sondern auch auf Hofmannsthal und Beer-Hofmann.