Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 17. [7. 1895]



*Göding, 17ten 11 Uhr.
es macht mir eine merkwürdige Freude, dieſem Brief in Gedanken nachzugehen. Ich habe voriges Jahr ſehr glücklich vor mich hingelebt, von den Tagen in Salzburg bis in den September fühle ich im Zurückdenken das complexe Glück von Bewegung, Blick und Gedanken, ſich-Hergeben und ſich-Behalten, Mitleid, Verliebtheit und Einſamkeit, dunklen Gewittern am Abend und blaßgelben lautloſen Blitzen in der Nacht; am Anfang mehr die Melancholie der kleinen Eiſenbahn mit dem Roth vom Sonnenuntergang auf den Kupfernägeln der Bänke, mit den geſchminkten und lautredenden *Frauen in allen Stationen, mit dem plötzlichen Dunkel- und Kaltwerden in dem kleinen Tunnel und gleich darauf den harmloſen von nichts wiſſenden Bauernhäuſern und kleinen Gärten; am Ende mehr die ſtundenlangen Geſpräche in der Nacht im Regen, im Wald und auf der weißen naſſen Landſtraße mit Edgar und das ſo ſtarke aufgeregte Fühlen von ſein und meinem Leben wie in einem.
Als ein beſonders merkwürdiger Tag erſcheint mir der, wo wir mit Goldmann vor ſeiner Abreiſe zuerſt beim Leopold waren und dann ein großes Gewitter gekommen iſt. Ich kann aber nicht finden, warum.
*Heute nachmittag gehe ich auf Patrouille und bleib über Nacht aus. Morgen wenn ich zurückkomm und gebadet hab, wird der Pan daliegen, den mir der Salten geſchickt hat. An ſolchen kleinen Freuden bringe ich mich wie an Springſtöcken von Stein zu Stein über dieſe Öde hinüber.
Adieu, ſchreiben Sie und Richard mir doch bald.
Ihr
Hugo.
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    Tag] der 3. 9. 1894