Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 3. 11. 1893

Lieber Freund,

ich beiße bereits ſeit einigen Tagen in den ſauren Apfel, und werde mein Verſprechen halten. Es iſt nur wie ein Verhängnis, daſs mir nichts nach Wunsch gelingen will. Es iſt, wie we mich die Empfindung: »man erwartet es von Dir« lähmte. –
– Seit ich Feuilletons ſchreiben ſoll, hab ich eine ewige unbezwingliche Luſt, fünfactige Trauerſpiele zu ſchreiben. Wirken Sie dahin, dſs Burkhardt eines von mir fordert – ich werde die ſchönste Wiener Geſchichte ſchreiben.
Im übrigen haben Sie Dinſtag oder ſpätestens Mittwoch das bewußte Eingangsfeuilleton. Eventuell werden Sie das Bedürfnis haben es zu ändern, wogegen ich principiell nichts einzuwenden habe. – (Nur müßt’ ich natürlich wiſſen, wie, wo, etc.)
Vielleicht werd ich auch noch im Stande ſein, Ihnen ſtatt des Artifex was geſcheidteres zu geben. Wollen Sie mir ihn nicht vorläufig zurückleihen, damit ich zum mindeſten die böſeſten Verſe in ein behaglicheres Deutſch übertrage? –
– Herzlichen Gruſs
Ihr sehr ergebner
Arthur Schnitzler.
Wien 3. XI. 93.

Artifex] Artifex, allegorisches Gedicht in Jamben, entstanden im Sommer 1893, unveröffentlicht (Cambridge University Library, Schnitzler, A 49). Eine Überarbeitung fand am 19. 11. 1893 statt.