Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, [9. 9. 1893]



mein lieber Arthur!

Schönheit und Leben! Iſt Ihnen das nicht aufgefallen, daſs einem das Leben ſo ganz beſonders gut gefällt und man ganz genau weiß, wie es ausſchaut und ſchmeckt, wenn man eben momentan innerlich müſſig iſt und eigentlich nicht lebt? Wie Euer Brief gekommen iſt, der »launige« Brief mit dieſen 2 großen Worten, iſt es mir ein bischen vorgekommen, wie wenn ich an einem Tiſch ſäße und wirklich gegeſſen hätte und vor mir lägen in unappetitlicher Realität *Krebsſchalen, Hühnerknochen und Pfirſichkerne .  .  .  Ihr aber ſitzt vor einem wunderſchönen Stilleben mit roten Languſten, goldrothen Weintrauben und bunten Truthühnern. Um es zu eſſen, muſs man es rupfen und ſieden und ſchälen und ſchneiden und kauen und dann iſt es gar nicht mehr ſchön!
Und doch gehört’s zum Eſſen und nicht zum Anſchauen. Es – ich meine das Leben.
Ich bleibe alſo hier bis zum 11ten; dann mit den Eltern nach *München u. Nürnberg; dann vielleicht zur Jagd nach Böhmen.
Jedenfalls bin ich Ende September bei Euch.
Dieſer Tage iſt die 8te, letzte Rate von 12 fl. an Fels (III Strohgasse 3) fällig; ich weiß nicht, ob Sie dazu nur 5 fl oder mehr ſchulden; da ich aber momentan kein Geld habe und Richard nicht da iſt, ſo bitte ſchicken Sie ihm 12 fl. mit dem Vermerk »letzte Rate.«
*Wiſſen Sie die Nummer von Richard’s Regiment (Znaim)?
Servus
Loris.
Bitte bald ſchreiben! Wo iſt Salten?
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