Arthur Schnitzler und Felix Salten an Hugo von Hofmannsthal, 24. 8. 1893



*[hs. Felix Salten:] Launiger Brief
[hs. Arthur Schnitzler:] Mein lieber Hugo, Sie haben allerdings Tizians Tod geſchrieben, wir aber haben ſoeben das Zier betreten, in welchem Tizian geboren ward. Wir ſind nemlich in Pieve di Cadore; heute früh von Toblach mit unſeren Rädern abgefahren, und über Cortina hieher – manchmal *unter Hagel und Regen, und keineswegs ohne daſs uns die Zollbehörden anhielten.  – Hier haben wir in den paar Stunden unſres Aufenthaltes viel Schönheit und Leben geſehen: blonde Kinder1, die auf ſteinernen Löwen2 ſpielten, andre wieder, die »Muſikbande« ſpielten und wo der Kapellmeiſter ſeine ſämtlichen auf *Holzſtäben und Löffeln muſicirenden Untergebenen jäerlich prügelte.3 Ein altes Weib,,4 das von Haus zu Haus ging und die kleinen Kinder küſſte, ein Kerl, der zum Fenſter hinausſchaute und dem Strümpfe5 zum Mund heraushingen, mit welchen ich, wie Salten meint, verbleiben ſoll
Ihr hoch- u rad-fahrender
ArthSch.
*[hs. Felix Salten:] lieber Freund! Die Fahrt durch die Pracht des Ampezzo u Cadore Thales und der Aufenthalt hier haben gelehrt: Es genügt nicht, dass der Mensch den Tod des Tizian schreibe, er muss auch Bicycle fahren können. Ersteres haben Sie gethan, das Zweite bleibt Ihnen noch. Wir allerdings haben beim zweiten angefangen, und das Schwierigere steht uns noch bevor, was wir, wie Arthur meint, heute ’mal versuchen wollen.
Herzlichst
Ihr
Salten
[hs. Arthur Schnitzler:] Pieve di Cadore
[hs. Felix Salten:] den 24. August 93
Ein Jahr, nach dem Loris in Strobl seinen Freunden »Tizians Tod« las.
  1. 1 Schönheit
  2. 2 Leben
  3. 3 Schönheit
  4. 4 Leben
  5. 5 Schönheit
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Pieve di Cadore] dies und das Folgende am unteren Blattrand auf dem Kopf. Möglicherweise handelt es sich um den ursprünglichen Briefkopf?

Jahr] Siehe A. S.: Tagebuch, 31. 8. 1892