Arthur Schnitzler an Wilhelm Bölsche, 11. 6. 1893



*Wien 11. 6. 93. I. Grillparzerstr 7.

Sehr geehrter Herr Doktor!

Vor mehr als 2 Monaten hab ich Ihnen eine Skizze zur eventuellen Veröffentlichung eingeſandt »Die Braut«. – Vor ca 2 Wochen hab ich die Frage an Sie gerichtet, ob Sie geneigt wären, mein 3 aktiges für die nächſte Saiſon am Leſſingtheater zur Aufführung beſtites Schauſpiel »Das Märchen« *in der Freien Bühne zu veröffentlichen. Warum, erlaube ich mir zu fragen, laſſen Sie mich denn ſo lange auf Antwort warten? Meine Skizze iſt in einer viertel Stunde geleſen, und was nun gar mein Stück anlangt, ſo bedarf es ja vorläufig nur eines principiellen Ja oder Nein. Sie, verehrteſter Herr Doktor, *der Sie ſelbſt Schriftſteller ſind, Sie wiſſen ja, wie nervös das Warten macht; und ich, der ſelbſt Redakteur einer (mediz.) Zeitſchrift bin, beantworte jeden Einlauf in ſpäteſtens 8 Tagen. Es mag ja Leute geben, deren Briefe man unberückſichtigt zur Seite werfen kann; ich gehöre *nicht zu dieſen, wovon Sie verehrteſter Herr Doktor, gewiß ſelbſt überzeugt ſind. –
– Ich wiederhole alſo meine beiden Fragen: Nehmen Sie die »Die Braut«? – Und zweitens, wollen Sie das Das Märchen im Laufe dieſes Soers drucken? –
Ich bin mit ausgezeichneter Hochachtung
Ihr ſehr ergebner
Dr. Arthur Schnitzler
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