Richard Beer-Hofmann an Arthur Schnitzler, 10. 3. 1892

RB

Lieber Arthur!

Ich wohne Pension Quisisana; was machen Sie, Loris, Salten?
Wird etwas aus der Vorstellung, hat Kaffka Nachrichten von der »freien Bühne« wegen »Camelias«?
Ich faullenze und langweile mich; keine gesunde erquiquende ruhige Langeweile, sondern eine pretentiöse, lärmende mit Gesprächen, und Gesellschaft; ausserdem regnet es heute auch noch. Ist mein Artikel in der »Frankfurter« erschienen? Ich glaube nicht; schon wegen der letzten Confiscation Hardens nicht!
Julius Bauer ist seit 3 Tagen hier; und spielt Piquet. Wir bleiben mindestens eine Woche noch hier, dann vielleicht Venedig. Bitte schreiben Sie mir recht viel; wissen Sie: »Glühende Kohlen«.
ich selbst bin hier mehr als je der launeverderbende »Miesmacher«, würde Hermann Cagliostro (Bahr) sagen.
Ich grüße Sie von Herzen.
Richard
10/III 92 Abbazia
    Erwähnte Personen: Richard Beer-HofmannArthur SchnitzlerHugo von HofmannsthalFelix SaltenEduard Michael KafkaMaximilian Harden Wilhelm II. von PreußenJulius BauerAlessandro von CagliostroHermann BahrErwähnte Werke: Richard Beer-Hofmann: Camelias (1893) – Richard Beer-Hofmann: Maximilian Harden (30. 4. 1892) – Wiener Allgemeine Zeitung (1. 3. 1880–11. 2. 1934) – Frankfurter Zeitung (1856–1943) – Maximilian Harden: Gekrönte Worte (1. 3. 1892) — Erwähnte Orte: OpatijaWienPension QuisisanaVenedigErwähnte Institutionen: Freie Bühne (Verein für modernes Leben)

    mein Artikel] Er hatte über Maximilian Harden ein Feuilleton verfasst. Dieses erschien als Maximilian Harden am 30. 4. 1892 in der Wiener Allgemeinen Zeitung.

    Confiscation] Die Morgenausgabe der Frankfurter Zeitung vom 1. 3. 1893 war wegen des Beitrags Gekrönte Worte von Maximilian Harden beschlagnahmt worden. Dieser hatte sich darin abfällig über eine Rede des deutschen Kaisers Wilhelm II. geäußert.