Gerty von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 9. 4. 1930

IV Mozartgasse 4 Wien d. 9/IV 30
Telephon U 43384
Lieber Arthur, ich habe heute versucht Sie anzurufen hörte aber, dass Sie eine andere Geheimnummer haben, wahrscheinlich sind Sie zu viel angerufen worden, darum sage ich Ihnen heute meine Bitte schriftlich. Mein Advokat Dr Weinmann würde so sehr eine Unterredung mit Ihnen wünschen, es handelt sich wegen der Erbsteuer um Bestimmung der Autoreneinkünfte, die man möglichst gering angeben muss, weil es als Kapital angesehen wird (was wirklich recht ungerecht ist, finde ich dass es doch sicher sehr schwankend sein wird) Ich konnte Dr W. niemanden andern nennen als Sie, als bester Freund und auch als Autor, der competent ist seine Meinung zu sagen. Was die Opern betrifft hat Schalk eine Art Gutachten gegeben. Dr W. wird Ihnen das alles besser erklären können als ich. Wollen Sie also die grosse Güte haben den Mann einmal in nächster Zeit zu einer Ihnen passenden Stunde zu empfangen? Natürlich müsste ich es einige Tage früher wissen, da der Mann sehr beschäftigt ist und auch oft Verhandlungen hat. Bitte rufen Sie mich einmal zwischen 10–11 vorm an, wo ich fast immer zuhaus bin und lassen Sie mich ein Wort wissen.
Ich war drei Wochen in Berlin, habe Olga gesehen, die ich sehr wohl fand und war entzückt über die Wohnung, die ich so besonders geschmackvoll fand. Heini konnte ich leider nicht sehen. Raimund ist jetzt bis auf weiteres in Berlin bei einer Filmsache und ich glaube dass es aussichtsreich ist. Ich selbst bin seit gestern in der neuen Wohnung und gewöhne mich langsam. Es hat gegenüber der Stallburggasse viele Vorteile. Ich hoffe Sie schauen sichs einmal an. Sie werden viele bekannte Dinge hier vorfinden, die Sie an die Elternwohnung und an Hugo erinnern werden! – – – – alles das ist ja so traurig!
Viel Herzliches
Ihre
Gerty
    einer]
    Sie schreibt: »einen«.
    weiteres]
    Sie schreibt: »wieteres«.