Hermann Bahr an Arthur Schnitzler, 18. 2. 1930



Lieber Arthur!

Wenn ich Dir für die große Freude, die mir Dein lieber Brief bereitet, nur ganz kurz antw danke, ſo mußt Du das mit meinem elenden Zuſtand entſchuldigen: ich bin ſeit Jahren ſchon immer wenn der Februar beginnt und ſo lange bis der April kommt, krank, ſozusagen von oben bis unten und durch und durch krank; eben jetzt lag ich wieder eine Woche zu Bett, und das Schlimmste daran iſt, daß meine Sehkraft schwindet, ich bin auf dem rechten Auge ſchon erblindend und das linke will ſchon auch nicht mehr recht ſeinen Pflichten genügen. »In Bereitſchaft ſein ist alles!«, nun ich bin bereit, aber es iſt nicht angenehm.
Deine Bücher habe ich alle, beſonders die Sprüche und Bedenken ſind mir vertraut und wenn ich nicht mit *allem »einverſtanden« bin, ſo weiß ich mich in alles »einzufühlen«.
Sag’s nicht weiter, wenn ich Dir geſtehe, daß von Jahr zu Jahr mein Heimweh nach Wien wächſt, faſt ſo ſtark wie das meiner Frau, die vor Sehnſucht, in Wien zu wirken, faſt vergeht. Aber Wien ist vergeßlich und ſo werden wir wohl in der Verbannung ſterben.
Herzlichſt Dein gedenkend, auch die paar Freunde, die noch meiner gedenken, beſtens grüßend
Dein alter, allzu alter
Hermann
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    In Bereitschaft sein ist alles!]
    Hamlet, V, 2: »The readiness is all«.