Robert Adam an Arthur Schnitzler, 7. 6. 1929



*Wien, am 7. Juni 1929

Hochverehrter Herr Doktor!

Frl. Frieda Pollak hat mir mitgeteilt, daß Sie die große Güte hatten, meine jüngſte Arbeit zu leſen und ſich für ihr Schickſal zu intereſſieren. Ich danke Ihnen, wie ſchon ſo oft, auf’s herzlichſte. Mit »Margot und das Jugendgericht« meine ich freilich nichts Schwerwiegendes und Hervorragendes geſchaffen zu haben, aber die frohe Befriedigung, die ich, trotz Alltags-Sorgen und -ärger, beim Schreiben *empfand, beſonders das eigene Vergnügen an Margots Erlebniſſen mit dem Heilpädagogen und in der Kaffeehausecke, gaben mir doch das ſichere Gefühl, daß die Geſchichte meiner Heldin auch andern etwas Sympathie, deren ſie ſie so dringend bedarf, abgewinnen könne. Wenn es mir gelänge, mit dieſem leichten Stück endlich einmal den ſo oft geſuchten Eingang zur Bühne zu finden, wäre es natürlich für mich von allergrößter Bedeutung. Nur haben mir die ſtäten Enttäuſchungen früherer Jahre das Hoffen gründlichſt abgewöhnt.
*Dürfte ich, hochverehrter Herr Doktor, nach langer Zeit wieder einmal perſönlich bei Ihnen vorſprechen? Jede Zeit wäre mir recht, und Frl. Pollak, mit deren Bruder ich in ſtetem Kontakt bin, würde es gewiß übernehmen, mir die Ihnen genehme Stunde mitzuteilen.
Mit ergebenſtem Gruß Ihr
dankbarer
DrRAdam
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