Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 21. 4. 1926



*Kopenhagen 21 April 26
Mein liebster Freund Sie sind einer der wenigen Menschen, dem ich nur Gutes verdanke, einen wahren geistigen Reichtum. Heute las ich zum zweiten Male – nach Monaten – Ihr tiefsinniges Drama über den Weiher, und verstand es inniger als das erste Mal, hatte meine Freude daran. Sie haben dort eine Saite angeschlagen, die in der Gegenwart selten geworden istgehört wird; Verse klingen heutzutage selten von der Bühne, und Sie sind zu den ausführlicheren Repliken älterer Zeiten zurückgekehrt. Aber Sie meistern diesen Stil, und Sie fesslenfesseln. Das Stück ist ein schönes Ganzes.
*Ich habe keine Zeitungen in deutscher Sprache, weiss deshalb nicht, ob das Stück aufgeführt worden noch ob es Erfolg hatte. Sie wissen, dass ich Ihnen jeglichen Erfolg wünsche. – Ich denke mir, dass ich Anfang Mai um meiner Gesundheit willen nach Karlsbad reise. Ich bin wol mehr als ein Dutzend Mal vor dem Kriege dort gewesen. Jetzt wird es wol dort, wie überall, dort ärmer sein. Die Sprache trennt mich leider von Ihnen. Mein deutscher Verleger, Erich Reiss, hat Fallissement gemacht. Alles was er mir schuldig war, seit Jahren, ist in Rauch aufgegangen.
Ich hoffe, dass es Ihnen und den Kindern gut geht. – Frau Gertrud Rung, die Sie freundlich empfingen, liebt Sie sehr. Ihr Freund
Georg Brandes
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