Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 11. 3. 1926

Wien, 11. März 1926

lieber Hugo, vom Verlag Reiss weiss ich nur, dss dort einige sehr gute und etliche bedeutende Bücher herausgekommen sind, (was alle Leute wissen) – in Hinsicht aufs menschliche und geschäftliche bin ich absolut nicht informirt – bin mir also gar nicht klar, wie ich solch eine Bescheinigung abzufassen hätte, daß sie für den Verlag nur einigermaßen nutzbringend sich erweisen könnte. Worum handelt es sich denn eigentlich –? Um Sanirung? Um Verkauf? – Mir ist der Sinn der Action nicht evident. Genügt meine Erklärung, dass ich den Zusammenbruch eines Verlags bedauern würde, in dem viel vortreffliches erschienen ist, so steh ich gern zur Verfügung. Ich lege für alle Fälle gleich ein Blatt bei, vielleicht genügt es.
Sonderbar, dss ich gerade gestern, mit Andacht, fast könnt ich sagen, und jedenfalls mit tiefster Bewegung eine ganze Anzahl Ihrer Gedichte wiedergelesen u empfunden habe, wie unerhört neu die Melodie und der Rythmus ist, den Sie in die deutsche Dichtung gebracht haben, – und wie er durch die Zeiten weiterschwingt.
Auf Wiedersehen also, sobald freundlichere Tage kommen.
Von Herzen Ihr
Arth
Lili bestell ich alles, sie wird sehr stolz sein, dass sie Ihnen »freundlichst verzeihen soll« – (und dass sie zu so interessanten allgemeinen Bemerkungen Anlass gab).