Felix Braun an Arthur Schnitzler, 14. 12. 1925

Wien, den 14. XII. 25

Verehrter Herr Doktor!

Haben Sie den herzlichsten Dank für die Übersendung Ihres Buchs »Die Frau des Richters« durch den Propyläen-Verlag. War schon der Empfang durch das Bewußtsein, daß Sie selbst, verehrter Herr Doktor, der Auftraggeber gewesen sind, eine große Freude, so auch die Lektüre. Denn ein meisterliches Werk ist Ihnen da wieder und makellos geglückt. Sowohl die herrliche Prosa als auch die Gestaltung der Charaktere kann nur mit dem Prädikat der Meisterschaft gerühmt werden. Solange solche Bewältigungen möglich sind, kann von einem Abstieg unserer Zeit und Kunst die Rede nicht sein.
Immer war das Menschliche – in einem weiteren als nur dem ethischen Sinn genommen – Ihnen zu dichten gegeben: auch hier, am schönsten in der Gestalt der Frau, und frei und leicht in der des Rebellen, ist es Ihnen geglückt.
In Verehrung grüße ich Sie, werter Herr Doktor, und sage nochmals wärmsten Dank.
Ihr ergebener
Felix Braun.