Arthur Schnitzler an Hugo Hofmannsthal, 9. 10. 1925

Hrn Hugo v Hofmannsthal

Wien, 9. X. 1925

mein lieber Hugo, Sonntag fahre ich nach Berlin, (Hotel Esplanade) – schicken Sie den Thurm gleich ab, so findet er mich dort, da ich wohl mindestens 8 Tage dort bleibe. Unter anderm werd ich dort Heini als Theodor in der Liebelei sehen (die heute vor 30 Jahren in Wien zum »überhaupt« ersten Mal aufgeführt wurde.) Auch ein neues Stück nehm ich nach Berlin mit, in Versen, und heißt: »Der Gang zum Weiher«. Gegen die Aufführg von Kom. d. Verf. bei Barnowsky setze ich mich zur Wehre – (die Hauptrollen scheinen nemlich noch nicht besetzt zu sein.) Auch eine »Traumnovelle« (so heißt sie) erscheint nächstens. – Von Forte dei Marmi bin ich nach Florenz, nach Venedig; und vor 3 Wochen nach Wien. Hoffentlich sieht man sich einmal wieder – und bald. (Es wird immer später.) Christiane sah ich in Venedig; ich glaube, Lili u Olga haben sie nach meiner Abreise auch gesprochen. –
Nichts von alldem ahnten wir heute vor 30 Jahren. Und eigentlich war es gestern.
Leben Sie wohl.
In Herzlichkeit Ihr
A.
    Heini als Theodor]
    Siehe A. S.: Tagebuch, 13. 10. 1925