Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 6. 11. 1924



*an Hr Hugo v Hofmasthal

*Wien, 6. 11. 24
mein lieber Hugo – schönen Dank für Ihren Gruſs aus Aussee. Über das Frl. Else hör ich und les ich von allen Seiten so viel gutes, dſs ich sie im ganzen beinah überschätzt finden muſs – ebenso wie die K. d. V. – we auch vielfach gewürdigt, – doch noch in höherm Maſs (und nicht immer reinen Herzens) misverstanden. Nun es ist das alte Lied – wir wissen es alle zu singen. Ich freue mich, dſs Ihr Stück vollendet ist. Wohl »Der Thurm«? Und die neue Arbeit –? Wa werden Sie vorlesen? Wa kommen Sie nach Wien? Was haben Sie für Winterpläne? – Ich bleibe wohl vorläufig hier; im Jänner soll *ich in der Schweiz lesen, – was ich hauptsächlich thun will, um mir eine Engadiner Schnee- und Sonnenwoche ver »mit gutem Gewissen« vergönnen zu dürfen. – Ich dictire novellistisch und arbeite vorwiegend aphoristisch-fragmentistisch. Schreiben Sie bald wieder und wärs nur ein Wort! Es ist so schön von Ihnen was direct zu wissen!
Alles Herzliche. Ihr
A.
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