Hermann Bahr an Arthur Schnitzler, 9. 6. 1922

Hermann Bahr
Arthur Schnitzler

9. 6. 22

Lieber Arthur!

Herzlichsten Dank für Deine mich herzlichst erfreuende Karte! Ich hatte vor, Dir zu diesem ominösen Tag, der mir am End auch noch bevorsteht, nicht blos öffentlich, sondern auch direkt zu sagen, ein welch wichtiger Besitz meines Lebens Dein Vorhandensein ist: ein Reichtum. Aber es ging beim besten Willen nicht. Auszudrücken, was ich wirklich empfinde, war nie meine starke Seite und je älter ich werde, desto mehr kommt mir alles, so bald es ausgesprochen wird, verlogen vor.
Ich denke den ganzen Sommer (außer am 11. – 13. August, wo ich nach Salzburg, und am 27. – 30. August, wo ich nach Heidelberg soll) hier zu sein und es wäre mir eine große Freude, Dich endlich wiederzusehen.
Herzlichst Dein alter
Hermann
    nach Salzburg]
    Zur Eröffnung der Salzburger Festspiele. Seine Frau war für Hofmannsthals Das Salzburger große Welttheater engagiert.
    nach Heidelberg]
    Er trat, etwas später, als er hier andeutet, erst am 3. 9. als Redner am Verbandstag katholischer Akademiker auf.