Stefan Großmann an Arthur Schnitzler, 10. 2. 1921

Das Tage-Buch

Erscheint jeden Sonnabend ⋅ Herausgeber: Stefan Großmann

Ernst Rowohlt VerlagBerlin W 35

POTSDAMER STRASSE 123B ⋅ AN DER POTSDAMER BRÜCKE

TELEGRAMM-ADRESSE: TAGEBUCH BERLIN ⋅ FERNSPRECHER: AMT LÜTZOW Nr. 4931

SPRECHSTUNDE DER REDAKTION: 12–1 UHR

Gr/Sch

10. Februar 1921

REDAKTION
Herrn

Dr.med. Arthur Schnitzler

Wien

Sternwartstr. 71

Verehrter lieber Herr Dr. Schnitzler!

Ich übersende Ihnen heute einige Nummern des »Tage-Buch«, in denen ich die etwas heuchlerische Hetze gegen den »Reigen« satyrisch behandelt habe. Es ist mir bekannt, dass Sie niemals zu Ihrem Schaffen selbst das Wort nehmen wollten. Wenn Sie aber bedenken, in wie unangenehmer Form Harden jetzt gegen die »Reigen«-Aufführung geschrieben hat, wäre es vielleicht doch von Wert und Nutzen, wenn Sie sich entschliessen könnten, im »Tage-Buch« selbst das Wort zu ergreifen und sich zur öffentlichen Aufführung des »Reigen« zu äussern. Jedenfalls bitte ich Sie, über meine Zeitschrift zu verfügen. Das »Tage-Buch« hat sich in den fünfviertel Jahren seines Bestehens in Deutschland vollkommen durchgesetzt und Sie sprechen durch mein »Tage-Buch« zu dem gebildeten Deutschland, das ehedem die »Zukunft« gelesen hat. Ich würde mich freuen und das Gefühl haben, einer gerechten Sache zu dienen, wenn Sie sich entschliessen wollten, durch das »Tage-Buch« zu sprechen.
Mit herzlichen Grüssen
Ihr sehr ergebener
Stefan Großmann
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