Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 8. 12. 1919



*R. 8 XII 19.

mein lieber Arthur

ich dank Ihnen ſchön für den Brief den Sie mir nach Auſſee geſchrieben haben.Ich bin nun zurück und wünſche mir, wie herzlich, Sie zu ſehen.Aber ich bin ſelten in der Stadt – Gerty und die Kinder weit öfter, ich aber hab mir hier ein ganz kleines Zimmer bei Rodauner Leuten gemiethet das ſich mit Holz erträglich heizen läſst und ſo bleib ich ſo viel als möglich heraußen, eine leidliche Productivität im Fluſs zu halten, denn ich kenne mich vor angefangenen Dingen, Plänen u. Scenarien wirklich *nicht aus und muſs sehen, daſs alles weiter kot. (Von Ihrem Casanovaſtück höre ich übrigens daſs es beſonders reizend fröhlich u. erfreuend iſt, und daſs es bald geſpielt wird, melde mich alſo hiemit für die Première.)
Wie ſehe ich Sie aber mit alledem? Welche Stunde, mit Olga in die Stadt zu uns zu koen iſt denn Ihnen u. ihr halbwegs convenierend?
Sie ſind der Mann der ſtrengen Einteilung, ich bin, wenn ich in der Stadt bin, alle Wochen 1 ½ – 2 Tage, dann ganz frei! Also ſchreiben Sie mir ein Wort, wie Sie’s beide wollen, ob Sie zu einem ſehr beſcheidenen Nachtmahl koen wollen, das wäre das Gemütlichſte – oder wie immer! Ihr
Hugo.
    Bildrechte © University Library, Cambridge
    kommt]
    Unsichere Lesart; von Schnitzler mit Bleistift unterstrichen und am Rand mit einem Fragezeichen markiert.
    kommen wollen,]
    weiter quer am linken Rand