Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 17. 8. [1918]

Aussee 17 VIII.

mein lieber Arthur

Ihr Buch kam an, u. wenn auch nicht durch Sie sondern durch Fischer, so ist es ja doch ein Gruß von Ihnen. Ich las es in einem Zug durch, es ist ja die Hand eines Meisters, die einen rasch u. leicht vorwärts führt, alles ist von einer sicheren Kunst, was da steht und was nicht da steht, die Verknüpfungen, die Antithesen u. der Ausgang. Wie man bei einem Freunde über das Künstlerische hinaus noch nach einem Mehr sucht, so war mir hier seltsam ein alter Zug wie aus einem Jugendporträt von Ihnen, nun aufs neue bewusstlos sich accentuierend: die Spielernatur des Menschen, den Sie darstellen. Er spielt eine Partie mit dem Schicksal, hasardiert frech, und verliert. – Ich wusste von Ihnen halbwegs in diesen Monaten; durch die Erschwerung der Verbindungen ist man ja mehr auseinandergehalten, als lebte man in verschiedenen Städten. Gegenseitige Achtung u. Zuneigung, und viele viele Erinnerungen halten uns aber zusammen.
Ihr
Hugo