Robert Adam an Arthur Schnitzler, 12. 6. 1918



*Wien, am 12. Juni 1918

Hochverehrter Herr Doktor!

Ihre liebenswürdigen Zeilen haben mich außerordentlich erfreut (um nicht zu ſagen: gerührt). Ich hätte ſchon längſt wieder bei Ihnen vorgeſprochen, wüßte ich nicht aus Erfahrung, daß ein Beſuch ohne vorhergehende Anmeldung ein ausſichtsloſes Unternehmen ſei; und es ſchien mir anderſeits, als wäre eine ſolche Anmeldung, ohne daß ich Ihnen etwas Beſonderes mitzuteilen hätte, Arroganz und Beläſtigung. So hoffte ich, daß ich Sie entweder zufällig irgendwo träfe oder daß ſich mir ein Anlaß böte, Ihnen zu ſchreiben: beides iſt nicht eingetreten.
Ich lebe monoton, verärgert und *deprimiert dahin. Gearbeitet habe ich gar nichts (wenn man von rechtsphiloſophiſchen und orientaliſchen Dingen abſieht).
Darf ich alſo wieder einmal bei Ihnen erſcheinen? Ich möchte Sie gerne der Mühe des Schreibens entheben: wenn es Ihnen lieb iſt, könnten Sie mir den beſtimmten Tag telephoniſch (82202) mitteilen. (Telephon meiner Eltern).
Mit beſtem Dank und ergebenſten Grüßen Ihr
Robert Adam
    Bildrechte © University Library, Cambridge