Robert Adam an Arthur Schnitzler, 26. 9. 1915



*Wien, am 26. September 1915

Hochverehrter Herr Doktor!

Es hat mir außerordentlich leid getan, Sie bei meinem Beſuche nicht anzutreffen. Ich wollte Ihnen die für mich ſehr ſchmerzliche Mitteilung machen, daß der Fiſcher’ſche Verlag »weder einen inneren noch einen äußeren Anlaß« gefunden hat, die »Fremdenſzenen« zu übernehmen, und ich benütze jetzt den erſten Moment der Ruhe, den mir Amtsgeſchäft und die endloſen Mühen der Überſiedlung nach Wien freilaſſen, Ihnen dieſe Nachricht, die Ihnen wohl ſchon direkt zugekommen ſein mag, zu übermitteln.
Daß ich Ihnen für Ihre gütige Vermittlung außerordentlich dankbar bin und daß mich das *Intereſſe, das Sie als Einziger meinen Arbeiten entgegenbrachten, innerlich ſtärkt und tröſtet, habe ich Ihnen ſchon geſagt und ich werde nicht müde, Ihnen meinen Dank zu wiederholen.
Ich bin seit einiger Zeit von Ziſtersdorf nach Wien verſetzt, hier proviſoriſch dem Bezirksgericht Floridsdorf zugeteilt und verbringe meine Tage auf der Elektriſchen (der Weg von Meidling nach Floridsdorf iſt ſchrecklich weit!) und mit der Aburteilung größtenteils recht unintereſſanter Straffälle.
Meine unglückſelige Arbeit verſchließe ich, indem ich dieſe Enttäuſchung, wie ſo viele früher, geduldig trage, zu den andern nicht glücklicheren Arbeiten in die Schreibtiſchlade und warte auf beſſere Zeiten, um mit einer neuen Arbeit den Kampf um Geltung in einer Literatur wiederaufzunehmen, die von mir halt abſolut nichts wiſſen will. Daß ich die*ſen Kampf noch nicht aufgegeben habe, iſt mir einigermaßen ſelbſt rätſelhaft. –
Mit der Verſicherung meiner Dankbarkeit und Hochachtung Ihr ſehr ergebener
DrRAdam
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