Robert Adam an Arthur Schnitzler, 22. 6. 1915



*Ziſtersdorf, 22. Juni 1915.

Hochverehrter Herr Doktor!

Ich kann Ihnen anzeigen, daß es mir nach längerer Beratung mit unſerem Poſtmeiſter, der über den Kriegspoſtverkehr mit den Verbündeten nicht viel beſſer informiert zu ſein ſcheint als ich, gelungen iſt, das Manuſkript des »Fremden« mit einem Briefe an den Fiſcherſchen Verlag zu ſenden, und ich gebe mich der Hoffnung hin, daß beides den Beſtimmungsort erreicht.
Zugleich erlaube ich mir, Ihnen das Manuſkript der Komödie: »Geſellſchaft« zu ſchicken, die, wie ich Ihnen erzählte, vom »Deutſchen Volkstheater« abgelehnt wurde. Ein Meiſterwerk iſt ſie ja gewiß nicht, obwohl ich meinen möchte, daß ſie, vom techniſchen Geſichtspunkt aus betrachtet, einem gelernten »Dramaturgen« Freudentränen entlocken könnte. Aber i ſie iſt *wohl vergnüglich; allerdings kann ich dieſe ihre Eigenſchaft ſelbſt nicht objektiv einſchätzen, aber ich ſchließe es daraus, daß ich ſie mit derſelben Behaglichkeit niederſchrieb, die den alten Dumas beim Verfaſſen ſeiner heitern Romane hell auflachen ließ. Wenn die Erlebniſſe meiner Helden, die ich zum größten Teil perſönlich kennen lernen durfte – den Daniel Rubinſtein ſchilderten mir nur Perſonen, die er mit ſeiner intereſſanten Bekanntſchaft beehrt hatte –, Sie auch nur ein wenig erheitern, wird es mich außerordentlich freuen. Eigentlich habe ich doch die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dieſe Komödie bei einer Bühne anzubringen (allenfalls nach einigen Verbeſſerungen); denn ich glaube, daß ſie eine ganze Anzahl »guter Rollen« enthält.
Indem ich Ihnen, hochverehrter Herr Doktor, für Ihre große Liebenswürdigkeit nochmals herzlich danke, verbleibe ich Ihr ſehr ergebener
Robert Adam
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